Biografie

Ich bin mit fünf älteren Geschwistern groß geworden, was einen riesigen Vorteil hatte: Es war immer jemand da, der mir vorlas. Bücher gehörten bei uns so selbstverständlich dazu wie Streitereien um den letzten Keks. Schon als Kind sammelte ich Lieblingswörter wie andere Murmeln und bastelte daraus meine eigenen Geschichten.

Sobald ich selbst lesen konnte, war nichts mehr vor mir sicher, weder Abenteuerroman noch Elternzeitschrift. Meine Begeisterung kannte keine Schlafenszeit. Einmal schraubte meine Mutter abends die Lampe über meinem Bett ab, um für klare Verhältnisse zu sorgen. Sie unterschätzte allerdings meinen Eigensinn – und die Leuchtkraft meiner kleinen Taschenlampe.

Mit den Jahren merkte ich: Ich liebe nicht nur Geschichten, sondern auch Sprachen. Also studierte ich Literaturwissenschaft in Deutschland, Frankreich und Spanien. Weil mir das Unterwegssein so gefiel, machte ich das Reisen zunächst zum Beruf und schrieb Reportagen, unter anderem für Zeitschriften und den ADAC. Reich wurde ich davon nicht, also verfasste ich zusätzlich unter verschiedenen Pseudonymen eine ganze Reihe von Romanen.

Irgendwann tauschte ich Koffer gegen Krabbeldecke, wurde sesshaft und gründete mit meinem Mann eine Familie. Mit unseren Kindern entdeckte ich die Bücher meiner eigenen Kindheit wieder und staunte zugleich über all die wunderbaren neuen Geschichten, die inzwischen entstanden waren. Dann stellte meine älteste Tochter eine Frage, die alles veränderte: „Warum schreibst du eigentlich nie für uns?“

Plötzlich klopften sie wieder an, meine alten, schrägen, fast vergessenen Ideen. Ich ordnete sie, setzte mich an den Schreibtisch und schrieb. Nach einem Monat war die erste Fassung meines Kinderbuches Lil April fertig.

Inzwischen sind meine Kinder erwachsen, aber die Geschichten kommen immer noch zuverlässig vorbei. Manchmal habe ich das Gefühl, sie hätten mein ganzes Leben lang Anlauf genommen, nur um heute in meinen Kinderbüchern zu landen.